Von der Gratifikationskrise zur Depression oder Angststörung

»Gratifi… was?« – was ist denn das jetzt schon wieder? Ein Fachbegriff für etwas das hunderttausende Arbeitnehmer ebenso kennen wie Eltern, hilfsbereite Freunde und dergleichen. Kurz auf den Punkt gebracht: als Gratifikationskrise bezeichnen Psychologen eine Situation in der man fortgesetzt zu wenig Anerkennung, Wertschätzung und Belohnung für enormes Engagement, überdurchschnittliche Leistungen und großen Einsatz erhält. Kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, Gratifikationskrisen führen oft zu Belastungsstörungen die sich im Extremfall bis hin zur Angsterkrankung entwickeln.

Das Ungleichgewicht zwischen Leistung und Gegenleistung

Der Begriff der Gratifikationskrise wird in erster Linie im Zusammenhang mit der Arbeitswelt genutzt. Nach dem Modell der Gratifikationskrise treten Erkrankungen auf, wenn man sich stark verausgabt und dafür keine angemessene Gegenleistung erhält. Dabei geht es wohlgemerkt nicht nur um finanzielle Gegenleistungen. Wer besonderen Einsatz zeigt, ob in Form von Zeit, Wissen, Engagement, Verantwortung, Identifikation mit dem Arbeitgeber und dergleichen, hierfür aber nicht entsprechende Anerkennung, Respekt, Bezahlung, Förderung, sozialen Status, Weiterbildungsmöglichkeiten etc. erhält, der wird früher oder später unter diesem Ungleichgewicht leiden.

Es ist sicher kein Zufall, dass sich unter Angstpatienten viele Menschen aus Pflegeberufen finden. Wer etwa in der Altenpflege große Verantwortung übernimmt, enormen psychischen Belastungen ausgesetzt ist, Schichtarbeit und absurde Zeitvorgaben ertragen muss und dafür zugleich eine miserable Bezahlung, praktisch keine Arbeitsplatzsicherheit und ein eher negatives Bild in der Öffentlichkeit hinnehmen muss, der kann psychisch eigentlich kaum gesund bleiben.

 

Und wie kann man Gratifikationskrisen vermeiden?

In einer perfekten Welt würden Arbeitgeber besondere Leistungen angemessen honorieren, würden zusätzliche Verantwortungsbereiche entsprechende Gehaltsanpassungen nach sich ziehen, würde Einsatz durch Lob und Förderung belohnt und anerkannt. Angestellten die besonderes Engagement in bestimmten Bereichen zeigen würden Möglichkeiten zur Fortbildung geboten. Mitarbeiter die eine hohe Identifikation mit ihrer Tätigkeit und ihrem Arbeitgeber zeigen würden Verantwortung erhalten und Vertrauen genießen, und so weiter und so fort. Nur: wie wir alle wissen leben wir in keiner perfekten Welt. Daher muss jeder einzelne Arbeitnehmer der von einer Gratifikationskrise bedroht ist selbst schauen, was er tun kann um diese abzuwenden!

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss!

»Dienst nach Vorschrift« – für viele – da zähle ich mich selbst uneingeschränkt dazu – ein Motto mit dem man sich nicht identifizieren kann und will. Aber im Sinne der psychischen Gesundheit in manchen Fällen sinnvoll. Wer für seinen Einsatz keine angemessene Gegenleistung erhält, der tut sich selbst keinen Gefallen, wenn er dieses Engagement an einen Arbeitgeber verschwendet der dieses nicht zu schätzen weiß. In manchen Fällen mag ein Wechsel des Arbeitgebers sinnvoll sein, denn Unternehmen die der »perfekten Welt« nahe kommen gibt es durchaus. Wer jedoch z.B. in einem Pflegeberuf arbeitet, der kann diese Arbeitgeber – leider – lange suchen. Dabei sollte jeder Arbeitgeber froh sein, wenn er Mitarbeiter hat, die besonderen Einsatz zeigen.

Wenn man aber mit 60% Einsatz auf dem Niveau der Kollegen liegt und die selbe Gegenleistung erhält wie bei 100% Einsatz, warum sollte man dann 100% geben? Das Sprichwort »Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss.« bringt es auf den Punkt. Wer mehr tut als er muss, der verausgabt sich nur völlig unnötig. Wenn man mit 60% Einsatz das Maximum an möglicher Gegenleistung erhält, dann ist man gut beraten die verbleibenden 40% entweder als Reserve zu betrachten, und sich so ein entspannteres Leben zu machen, oder sie anderweitig einzusetzen. Beispielweise in ein anspruchsvolles Hobby, ein Ehrenamt, soziales Engagement, persönliche Weiterbildung oder ähnliches. Möglichkeiten gibt es viele.

Wie man sich zu diesem »Dienst nach Vorschrift« erzieht, dazu mehr in einem in Kürze folgenden Artikel! Und in einem weiteren Artikel geht es dann natürlich auch darum, wie man einen Arbeitsplatz findet, in dem das persönliche Engagement auf einen fruchtbaren Boden fällt – denn genau das wünschen sich die meisten engagierten Arbeitnehmer, die dann nicht gegen ihre Natur ihre Leistungen runterschrauben und einschränken müssen.

 

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