Die Big-Three die unser Leben prägen – und Hebel für die Angsttherapie sind

Seit fast 8 Wochen kein Blogbeitrag, da könnte der Eindruck entstehen das Projekt „raus-aus-der-angst.de“ wird einer dieser Blogs die schnell wieder einschlafen. Dem ist aber nicht so, ich hatte einen guten Grund für die lange Pause: ein Umzug stand an. Und damit habe ich auch gleich einen Aufhänger für meinen ersten Blogbeitrag nach der langen Pause, denn die Wohnumstände zählen zu dem was ich die Big-Three nenne, den drei Faktoren die unser Leben am stärksten prägen und beeinflussen.

Feinschliff bringt wenig, wenn die Basis nicht stimmt

Wer mit Angst, bzw. einer Angststörung  leben muss, der steht vor der großen Herausforderung in seinem Leben, seinem Alltag zahlreiche Anpassungen vornehmen zu müssen. Damit meine ich nicht etwa Vermeidungsverhalten an den Tag zu legen, sondern vielmehr die Anpassungen die das persönliche Stresslevel absenken und so einen Ausbruch aus dem Teufelskreis der Angst erlauben. Denn gerade unspezifische Ängste die bis zu Panikattacken führen sind in den meisten Fällen das Resultat eines zu hohen alltäglichen Stressniveaus.

An vielen Stellen kann man dabei kleine, feine Anpassungen vornehmen die – sofern sie an den richtigen Stellen erfolgen – auch Erfolge zeigen. So lange man aber in den Big Three große Stressfaktoren hat, rückt eine dauerhafte Stressreduktion in unerreichbare Ferne.

Was sind die Big Three die unser Leben prägen?

Drei Bereiche unseres Lebens prägen unseren Alltag und haben den größten Einfluss auf unser allgemeines Befinden:

  1. Unser soziales Umfeld, zwischenmenschliche Beziehungen
  2. Der Beruf – oder gegebenenfalls auch Arbeitslosigkeit
  3. Unsere Wohnsituation

Ich werde in weiteren Artikeln auch noch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und Arbeit/Beruf eingehen. Aber da ich gerade erst als direkte Folge meiner Angststörung umgezogen bin, will ich hier erstmal auf das Thema Wohnsituation eingehen.

Wenn man sich nicht mehr auf die eigenen vier Wände freut, sich zuhause nicht mehr entspannen und den Alltag hinter sich lassen kann, dann hat man unzweifelhaft ein Problem damit seinen Stress zu reduzieren. In meinem Fall war es beispielsweise so, dass ich mit Frau und Kind in einer schönen, großzügig geschnittenen Wohnung lebte die allerdings ein paar fundamentale Nachteile hatte. Ein Badezimmer in dem man sich nicht wohlfühlt, massive Belästigung durch Fluglärm, viele kleine Baustellen die vom Vormieter blieben und am Wochenende Menschen die verhaltensauffällig durch die Seitenstraßen streunten. Keine Umgebung zum wohlfühlen, und damit auch kein echter Hafen, kein Ruhepol im Leben. Ein echtes »Abschalten« war so im Alltag, nach Feierabend oder am Wochenende nicht möglich – und jedes Mal etwas unternehmen zu müssen um dabei »runter zu kommen« ist mittelfristig eher kontraproduktiv, denn so entsteht Freizeitstress.

Umzug in eine ruhigere Ecke

Schon nach einigen Wochen der Suche fanden wir dann das passende Objekt, ein kleines Einfamilienhaus am Stadtrand. Zentral genug um weiterhin auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die City zu kommen, ordentliche Einkaufsmöglichkeiten zu haben und dennoch Abends komplett abschalten zu können. Die Wohnkosten sind dabei nur unwesentlich höher als bisher, dafür haben wir nun unseren eigenen Garten und eine entschleunigende Umgebung die dafür sorgt, dass man sich Abends nach der Arbeit wieder auf den Heimweg freut. Und auch wenn der Wohnungsmarkt im Augenblick suboptimal aussieht, besteht fast immer dennoch die Möglichkeit sich neu zu orientieren und so für eine deutliche Steigerung der Lebensqualität und Absenkung des Stressniveaus zu sorgen.

Wie erkenne ich, ob ich falsch wohne?

Nun ist natürlich nicht für jeden Menschen mit einer Angststörung die Wohnsituation ein Stressfaktor. Wenn man sich aber nicht mehr darauf freut nach Hause zu kommen, wenn man Abends auf der Couch nicht mehr entspannen kann, wenn man sich ständig genötigt fühlt Fenster und Türen fest zu verschließen um sich von der Umgebung abzuschotten, dann ist das ein klares Indiz dafür, dass etwas nicht stimmt.

Angsterkrankungen kommen selten über Nacht. Sie entwickeln sich schleichend und so kann es eben auch durchaus passieren, dass sich eine Wohnumgebung die irgendwann mal ideal war einem nach und nach zusetzt und die Angststörung fördert. Bei mir war es beispielsweise so, dass ich mir noch vor einigen Jahren nicht hätte träumen lassen jemals in eine so ruhige Wohngegend zu ziehen. Ich brauchte die Action, die Bewegung draußen, die rundum-Versorgung der Berliner Innenstadt. Damals noch selbstständig und mitunter mit einem sehr eigenwilligen Rhythmus unterwegs empfand ich es als unverzichtbaren Luxus mir auch nachts um 3 noch einen Becher Eis auf der Tankstelle kaufen zu können. Würde ich heute noch in einem solchen Umfeld wohnen, würde ich daran wohl zugrunde gehen.

Alles in Bewegung, was gestern gut war…

Wir sind keine Statuen. Jeden Tag ändern sich andere Kleinigkeiten in unserem Leben und an manches muss man sich mittelfristig anpassen. Wenn man also vor einigen Jahren noch Hektik und Aufregung spannend fand und für eine möglichst zentral gelegene Wohnung getötet hätte sorgen die Belastungen des Alltags heute womöglich dafür, dass man ein Zuhause braucht in dem man wirklich abschalten kann.

Zeit drüber nachzudenken. Und dank der Entspannung die mir mein neues Zuhause ermöglicht, wird an dieser Stelle jetzt auch wieder regelmäßig gebloggt!

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